OpenAI schwitzt vor IPO – Sektoren-Rotation im Nasdaq – Mercedes halbiert Gewinn und investiert mit Google in Apptronik – Mag7 fliegen aus dem Fokus der Anleger – Gold stabil
Liebe Leser,
ich bin mit einer großen Hoffnung auf bebende Bewegungen an den Finanz-Märkten in dieser Woche zugegangen. Während die Indizes nahezu einen Stillstand zeigen, geht es bei den Aktien innerhalb vom Nasdaq mit hohen Kurssprüngen bei den einzelnen Sektoren ab wie Harry. Die Softwareaktien kommen weiter unter die Räder. Dagegen stehen die KI-Infrastruktur-Unternehmen wie Micron & Co., die teilweise zweistellig nach oben schnellen. Wir sehen also intern eine klare Sektorenrotation. Die Mag7 geraten – mit Ausnahme von Google / Alphabet – aus dem Fokus. Das Thema KI ist und bleibt spannend. Doch auch hier mischen sich die Karten. OpenAI will in diesem Jahr an die Börse und beginnt jetzt schon zu schwitzen. Hohe Finanzierungskosten vs. fehlendes Geschäftsmodell zu einem schnellen Profit ist hier das sichtliche Problem.
Es gab noch wichtige Daten, Zahlen und Erkenntnisse. Die US-amerikanischen Arbeitsmarktdaten kann man nicht nur in die Tonne treten, nein, sie sind vollkommen überflüssig. Darüber habe ich längst berichtet. Kurz und knackig: Das „Birth & Death Model“ (Neugründungen in den USA) beruht auf reinen Schätzungen. Die Arbeitslosenzahlen wurden mal wieder revidiert. Die Wallstreet feiert den Fauxpas sogar, nachdem die Arbeitslosenzahlen, um SAGE UND SCHREIBE, nicht um 900.000 revidiert wurden, sondern nur 860- oder 840.000. Also die Behörde hat sich mal um ca. 850.000 Arbeitslose vertan. Liebe Leser, bei solchen Zahlen kann man doch auch die Inflationszahlen (weltweit) ganz einfach ignorieren und simpel in seinem Umfeld tragen. Es sind alles künstliche Daten, um den Zentralbanken eine Entscheidung für die Zinspolitik non-verbal auf den Schreibtisch zu klatschen.
Mercedes trat mit unterschiedlichen Themen ins Visier: Der Gewinn ist im abgelaufenen Geschäftsjahr um fast die Hälfte eingebrochen. Positiv dagegen ist die Ankündigung einer Robotik-Kooperation mit Google. Apptronik heißt das Projekt, in welches 5 Milliarden US Dollar fließen sollen. Die Automobilaktien notierten am Donnerstag aufgrund der erneut schwachen Zahlen entsprechend. Auch MC Donalds ist ein wichtiger Indikator für die Fast-Food Szene. Obwohl der Gewinn und Umsatz besser ausgefallen sind, verlor die Aktie. Es ist der Ausblick, der die Anleger zu Verkäufen animierte. Coca Cola – ein Indikator für den globalen Konsum – hat moderate Zahlen vorgelegt und entsprechend blieb die Aktie auf sehr hohem Bewertungsniveau unverändert stabil.
Beim Thema „Bewertungen“ streiten sich die „Experten“ – man könnte sie auch als „Schlaumeier“ bezeichnen. Um den Witz an dieser Stelle abzurunden und selbstkritisch zu bleiben: auch ich fühle mich manchmal als „Schlaumeier“. Also: Was ist eine faire Bewertung? Ich zitiere hier OHNE NAMEN einen guten Freund, der mit vielen Vorträgen als Analyst gefragt ist: „Rainer, sag mir welche Aktie, Sektor oder Rohstoff und das gewünschte Ergebnis.“ Man kann alles so hindrehen, wie man es braucht (ist meine Interpretation) und dies sehe ich bei der Diskussion: sind Aktien momentan teuer oder billig? Wie wird sich die KI entwickeln und welche Unternehmen profitieren davon? Das tolle und spannende an der Börse ist, dass es ein unendliches Spiel für „Erwachsene“ ist. Man kann mit Wahrscheinlichkeiten rechnen, man kann die Elliot Wave Theorie oder andere weitere Signal-Modelle aus Liquidität, Volumen-Analyse oder Benchmark-Allokationen heranziehen. Alles toll. Es ändert aber nichts daran, dass die Kurse auf Angebot und Nachfrage beruhen. DOCH! Beim Papier-Silber haben wir jüngst die künstlichen Eingriffe bei der COMEX gesehen, als einfach durch Margin-Anpassungen nach oben einige Akteure aus dem Markt gespült wurden.
Es ist also ein sehr komplexes Thema, das ich in der kommenden Premium-Ausgabe vom www.SWISSMONDAY.de ausführlich behandele. So liegen beispielsweise die Aktienbewertungen mit einem durchschnittlichen KGV 2026 über 10% höher als der historische Durchschnitt. Gold kann man an die ausgegebene Geldmenge gegenüber dem US Dollar oder Euro messen, so Gold und Silber immer noch Upside-Potenzial haben – wie wir Engländer sagen. Was geschieht, wenn die Anleihen nicht mehr platziert werden können? – und was ist daraus die Folge für die Zentralbankzinsen? Alles ein ziemlich komplexes Thema, das man jedoch als langfristiger (konservativer) Investor beachten muss. Aber dieses Wissen kann man auch in hoch volatilen Märkten exzellent nutzen und die Übertreibungen schnell erkennen, um diese dann erfolgreich und auch kurzfristig für Depot-Turbos nutzen.
Wie geht’s an den Börsen weiter?
Die Entwicklung ist schwer voraussagbar, weil wir uns in den Aktienindizes seit einigen Monaten in einer Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau befinden. Je länger diese Seitwärtsbewegung anhält, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines großen Ausbruchs. Doch in welche Richtung? Woher kommen die großen Impulse? Sind es Zinssenkungen, obwohl hier bereits Senkungen im Markt eingepreist sind? Also es ist ein Katz- und Maus-Spiel, weshalb ich mich weiterhin privat mit einem Short auf die Aktien-Märkte zumindest abgesichert habe. Wer es auch macht, soll sich jedoch eines Totalverlustes bei steigenden Aktien bewusst sein.
Ich wünsche ein tolles Wochenende!
Ihr
Rainer Hahn
Chefredakteur
